Zwischenbericht 2016

Liebe Vereinsfrauen


Unser Zwischenbericht gestaltet sich diesmal „zwischen Erreichtem und Angezetteltem“, so wie sich in diesem Jahr die Jahresmitte in der IG gestaltet.  Nach einem reich befrachteten 2015, mit verschiedensten Anlässen im Sinne der Vernetzung,  sind wir nun wieder daran unsere Kräfte zu bündeln, auf Erreichtes zurückzuschauen und die IG „Frau und Museum“ weiterzuentwickeln.

Im Vorstand haben wir beschlossen, immer wieder Ausstellungen zu besuchen. Dies mit einem besonderen Augenmerk auf das, was Frauen betrifft, ob und wie dies dargestellt wird. Wir möchten dies für unsere weitere Arbeit und allenfalls für zukünftige Veranstaltungen und Ausstellungen nutzbar machen.

So besuchte ich die Ausstellung  „Willkommen zu Hause“ zu häuslicher Gewalt in St. Gallen und eine Ausstellung mit dem Titel „Trümmerfrauen-Frauentrümmer“ von Bigi Slongo in Glarus. Beides sehr eindrückliche Ausstellungen zum Thema Gewalt-Gewalttätigkeit und die Situation der Frauen, ein Thema, das uns derzeit tagtäglich beschäftigt.

Auch die Führung aus der Perspektive einer historischen Figur (Margherita di Domenico Bandini) im Forum Schwyz und eine Kuratoren-Führung durch die Ausstellung „Watch This“ in Basel zum Thema Genfer Uhren standen auf meinem Programm.  Diese Ein- und Ansichten ins Schaffen von Ausstellungsmacherinnen hat viel an Erfahrungen gebracht. Eine der Einsichten war, dass noch immer Frauen in Ausstellungen kaum ein Thema sind und nicht dargestellt werden und es explizite Frauenausstellungen schwer haben, einen entsprechenden Platz in einem Museum zu erhalten. Dies bewusst zu machen und womöglich eine Änderung herbeizuführen, gehört zu unserem  Tätigkeits-Programm.


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Margherita di Domenico Bandini

Dargestellt von Fachreferentin
Isabelle Marcon Lindauer

So haben wir auch durch den Besuch der Veranstaltung zum Tag der Frau: „Amazonen der Kunst“  im Forum Würth nutzen können, um Kontakte zu knüpfen und die Möglichkeit einer Mitwirkung an einem weiteren derartigen Anlass und eventuell  einer Führung aus Frauensicht hergestellt.

Wir freuen uns sehr, dass wir nun eine eigene Webseite ins Netz stellen konnten. Liliane Späth, eine versierte Webmasterin, hat sie unentgeltlich für uns gestaltet und wir betrachten die Seite als eine sehr gut gelungene Visitenkarte der IG Frau und Museum.

Doch sehen Sie selbst: www.ig-frauenmuseum.ch

Eines unserer Anliegen ist es einen ruhigen Raum für Informationsaufnahme und Verarbeitung  herzustellen und weiterzuentwickeln. Dies kann sowohl im Internet, aber auch real sein. Erinnerungsarbeit verlangt immer auch aufmerksame und konzentrierte Aufnahme von Informationen und auch ein dafür bereit gestelltes Netz von Struktur und Koordination, um diese Information ins eigene Wissen einordnen zu können, um auf diese Weise Nachhaltigkeit zu gewährleisten.  Die Veränderung der seit langem tradierten stereotypen Frauenbilder geht nur, wenn sie auch in unserem Gedächtnis entsprechend verankert werden können. Hier wird unsere Arbeit am kollektiven Gedächtnis bzw. an kollektiven Gedächtnisinhalten sichtbar. Denn, was anderes als eine Form von Gedächtnisstätten und –stützen sind Museen? Hier geht unsere Arbeit stetig weiter in Form von Kontaktaufnahmen, Fragestellungen und Gesprächen mit den Verantwortlichen.

Eine weitere gelungene Aktion,  die über 4 Jahre hinweg vorbereitet wurde, ist in dieser Hinsicht nun im Schattenbericht der Post-Beijing Koordination enthalten: Ich konnte meine Beanstandungen und Beschwerden gegen Fernsehsendungen (Darstellung der Frauen) an SRF in den Schattenbericht des CEDAW eingeben, dies als NGO, IG Frau und Museum. Es geht hier einmal mehr um die Darstellung von Frauen in Museen, dem Öffentlichen Raum und den Medien. Dieses Frauenbild immer wieder zu hinterfragen, bewusst zu machen und aufzuzeigen, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Wir sind stolz auf die, aus diesen Eingaben entstandenen Empfehlungen (zwei davon untenstehend) und können sie voll unterstützen.

In ihren Empfehlungen schreibt die Post-Beijing-Koordination:
Um die Vermittlung stereotyper Rollenbilder zu vermeiden, ist eine Informations- und Aufklärungsstrategie für die Medienschaffenden zu erarbeiten, welche Richtlinien, Qualitätsraster, Standesregeln und andere Kontrollmechanismen für geschlechtergerechte Medienberichterstattung beinhaltet.
Das Radio- und Fernsehgesetz hat griffigere Aussagen in Bezug auf die Darstellung der Geschlechter zu enthalten und die Berücksichtigung der Frauen ausdrücklich zu nennen.
Da ist es weiterhin erforderlich, dass wir entsprechend aufmerksam die diesbezüglichen politischen Vorstösse beobachten, sie werden demnächst im neuen „Service Publik Vertrag“ für SRF verhandelt. 
Selbstverständlich sind noch viele weitere Themen in diesem Bericht  der NGO-Koordination „Post  Beijing Schweiz zum 4./5. CEDAW-Staatenbericht 2014“ enthalten. Er umfasst 23 Seiten und kann bei mir bestellt werden, er kann auch per E-Mail versandt werden.

Da es sich bei allen diesen Projekten um Basisarbeit zum Umgang mit Informationen und Eindrücken handelt und deren Auswirkungen aufs kollektive Frauenbild, sind sie immer auch sehr aufwändig. Es gilt, die gängigen „Bilder“ - meist stereotype Frauenbilder - zu hinterfragen und durch neue zu ersetzen. Dabei ist zu beachten, dass nicht alte Stereotypien durch neue ersetzt werden sondern die neuen Entwicklungen achtsam aufgezeigt werden.

Mit diesem Ziel haben wir auch Kontakt mit einer Forscherin aufgenommen, die zum Thema Bildrezeption arbeitet und hoffen, dass eine Vorstellung ihrer Arbeit möglich wird.

Ein Modell „durchs Museum mit weiblichem Blick“ ist, wie bereits angekündigt, in Bearbeitung.
Dies im historischen Museum in St. Gallen, es soll dann auch für andere konventionelle Museen zugänglich gemacht werden. Auch hier hoffen wir, dass wir bald auf eine „Zeitreise für Frauen durch St. Gallen“ gehen können.

Das Bewusstmachen von seit langer Zeit tradierten Frauenbildern und das Eröffnen neuer Perspektiven ist ein langwieriger Prozess und verlangt sorgfältige Aufmerksamkeit. Aufmerksame
Bewusstheit und viel Geduld - eben ein Leben „zwischen Zurückblicken und Vorausschauen“. Denn wir hoffen sehr, dass von unserer Generation nicht nur das übrig bleibt, was uns derzeit in den Medien, der Werbung und den Selfies als Frauenbilder entgegenkommt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Namen des Vorstands noch schöne sommerliche Tage
und hoffe auf Ihr reges Interesse und Ihre weitere Unterstützung unserer Arbeit.

Martha Beéry-Artho

Präsidentin IG Frau und Museum