Jahresbericht 2017

Im IG-Jahr 2017 stand die Gestaltung, Durchführung und dann auch der Rückblick auf die Ausstellung «Frauen in der Stickerei im Rheintal» im Vordergrund.

Die Ausstellung wurde durch Barbla Jäger «Iigfädlet», sie zog für uns die Möglichkeit «sozusagen» an Land. Wir konnten einen Raum zur Geschichte der Frauenarbeit und den Lebensumständen der Frauen in den kleinen Einzelbetrieben im Rheintal gestalten. Der Raum wurde uns vom Kurator Marcel Zünd im Museum Prestegg in Altstätten zugeteilt. Gemäss Abmachung brachten wir unsere Vorstellungen zur Ausstellung, Texte und Gegenstände ein, die Ausgestaltung wurde vom Museum Prestegg mitbestimmt.  Dies, weil unsere Inszenierung im Zusammenhang mit «Grenzland, die Firma Rohner und die Stickereizeit im Rheintal» einen Teil der Ostschweizerischen Ausstellung «Iigfädlet» bildete.

Eine intensive Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Thema begann und an 10 Sitzungen erarbeiteten wir die Gestaltung und die Tafeln für die Geschichte. Diese war bereits von Dr. Heidi Witzig erarbeitet. Ohne diese Recherchen wäre das Aufzeigen des historischen Aspekts nicht möglich gewesen. Doch gerade dieser ist der IG Frau und Museum immer wieder wichtig. Das Wissen von Sabine August in Sachen Objekte, auch bildhafte Darstellungen und deren professionelle Be- und Verarbeitung war ebenso notwendig wie die Kontakte zu Leihgebern, die sowohl von Sabine August, Barbla Jäger und mir wahrgenommen wurden.

Hier möchten wir Ihnen einen ganz kurzen Einblick in diesen Prozess geben, der uns und unsere Weiterarbeit sehr geprägt hat.

Präsentation der Ausstellung mit 4 Bildern und 4 Kurzstatements

3 Führungen bzw. Vorträge von Heidi Witzig gehörten ebenfalls zum Programm sowie die Präsentation der Arbeit der IG an einer Tagung der Museologen Schweiz. Auch verschiedene Frauengruppen sind vorbeigekommen und haben zum Teil ihre Eindrücke im dafür vorgesehenen Gästebuch hinterlassen. Klar werden diese Hinweise in unsere weitere Arbeit einfliessen und wir hoffen, uns immer näher dem anzunähern, was wir bewirken möchten, nämlich «den weiblichen Blick auf die Geschichte entwickeln».

Vernetzungsarbeit

Seit ihrem Beginn ist die IG immer wieder an Vernetzungsarbeit interessiert.

So bin ich das Bindeglied zum Verein Frauen- und Geschlechtermuseum Schweiz, den wir vor über einem Jahr gegründet haben und der seine Arbeit bereits aufgenommen hat. Damit waren verschiedene Vorstands- und Bürositzungen in Zürich verbunden. Der Verein lädt auf den 7. März 2018 in Zürich, anlässlich der HV, zu einem Vortrag ein: „Bedeutende Schweizerinnen wie ehren?“.

Zu den Vernetzungen gehört auch die Pflege der Beziehung zum Gosteli-Archiv. So war ich an zwei festliche Anlässe eingeladen. Ausserdem hatten wir vom Verein Frauen- und Geschlechtermuseum Schweiz die Möglichkeit, in einem Gespräch mit Frau Bühler, der Leiterin des Gosteli Archivs, den Kontakt aufzubauen. Das Gosteli-Archiv ist vor allem für die schweizweite Vernetzung ein wichtiger Partner der Idee eines schweizerischen Frauenmuseums. Hier in der Ostschweiz halten wir uns ans Archiv für Frauen-, Geschlechter- und Sozialgeschichte der Ostschweiz.

Service Public

Eine wichtige Partnerin ist auch die Koordination Post Beijing Schweiz. Sie war es, die das Anliegen zur Vermeidung von stereotypen Frauen-Bildern und der sachgerechten Darstellung von Frauenbelangen in der Politik im Schattenbericht für die CEDAW zur Sprache gebracht hat. Über diese Vernetzung lief dann auch die Eingabe der Alliance F an Bundes-rätin Leuthard in Sachen Service Public-Vertrag mit SRF. Das Anliegen wurde aufgenommen und im neuen Service Public-Vertrag verankert, der nun in der Vernehmlassung ist:  Dazu steht folgendes:

Art. 3 Grundsätze betreffend das publizistische Angebot

«1 Das publizistische Angebot der SRG besteht aus Radio- und Fernsehprogrammen sowie aus Online-Beiträgen.

2 Es orientiert sich am Gemeinwohl und bietet dem Publikum eine verlässliche Orientierung in Staat und Gesellschaft. Es beruht auf den Grundwerten einer demokratischen Gesellschaft, wie sie in der Bundesverfassung und den für die Schweiz verbindlichen internationalen Übereinkommen festgehalten sind, und respektiert die Menschenwürde des Individuums.

3 Die SRG bemüht sich um eine angemessene Darstellung und Vertretung der Geschlechter in ihrem publizistischen Angebot.»

Erst dann folgen die Förderung des Verständnisses, des Zusammenhalts und des Austauschs unter den Landesteilen, Sprachgemeinschaften, Kulturen, Religionen und gesellschaftlichen Gruppierungen sowie die Berücksichtigung der Besonderheiten des Landes und die Bedürfnisse der Kantone.

Sie sehen, das Anliegen ist angekommen, ein bisschen blass noch, aber immerhin «es lebt».

So ganz nebenbei habe ich mich auch als  Privatperson bei «Hallo SRF» gemeldet. Ich erhielt die erhoffte Einladung in die Chefetage und konnte so meine Anliegen nach mehr und sachgerechterer Information in Sachen Frauen einbringen.
Klar habe ich die Situation genutzt und ebenfalls die Arbeit der IG erwähnt.

Gerne nehmen wir auch die Einladungen vom Kanton St. Gallen, dem Gleichstellungsbüro war. So zu einer Fachtagung zum Thema Alltagsdiskriminierung, an der die Referenten ebenfalls auf die Diskriminierung bei der Darstellung von Frauen in den verschiedenen Medien zu sprechen kamen.

In Sachen Darstellung ist da auch unsere Webseite von Liliane Späth erarbeitet und mit mir zusammen betreut.

Sie wird hie und da besucht und  hat einige Frauen veranlasst, sich bei mir zu melden.
Gerne stelle ich jeweils unsere IG vor. Das Interesse konnte geweckt werden und Interesse an Mitarbeit ist vorhanden.

Mit Liliane Späth, der Gestalterin unserer Webseite, haben mein Mann und ich einen Ausflug ins Frauenmuseum Hittisau gemacht. Dort war die Ausstellung «Baumeisterinnen aus Olosokwan» (Tanzania) zu sehen. Dies passte sehr gut zu Liliane Späth, die mit grossem Engagement Handwerkerin ist. Es war ein Dankeschön für die Gestaltung der Webseite und deren Betreuung.

Internationales Engagement

Das Museum Casa Andriollo – Soggetto Montagne Donna und die italienischen Frauenmuseen haben auf März 2017 zu einem interregionalen Kongress unter dem Titel «Die Rolle und der Einfluss eines Frauenmuseums auf seine Umgebung» eingeladen. Frauenprojekte aus Italien, das Frauenmuseum Hittisau (Österreich), das Frauenmuseum Fürth (Deutschland) und die IG Frau und Museum (Schweiz) waren ihrer Einladung gefolgt. Es wurde ein sehr liebevoll und umsichtig geplanter Treff mit einem intensiven Programm und spannenden Themen. Die interregionale Frauenbewegung bewegt sich.

Dann hat sich die IG mit einem Roll Up an einer kleinen Ausstellung beteiligt. Sie war für eine UN-Konferenz in Brüssel «women‘s economic empowerment: let’s act together» zur Thematik «Wirtschaft ist care» gestaltet.

Sowohl in den Newsletters der IAWM, international association of women’s museums, als auch im Sonntagsbrief der Kunstberaterin Eva Müller wurde die Ausstellung in der Prestegg aufgezeigt und gewürdigt.

Weitere besuchte Ausstellungen waren: Die von Päuli Wisner und ihren Mitfrauen im Stellwerk in Heerbrugg sowie die Ausstellung «Weiblichkeit» im Bahnhof Selnau in Zürich. Natürlich habe ich auch den Film «Die göttliche Ordnung» gesehen und entsprechend geschmunzelt. Ich habe aber auch beobachten können, wie einer jungen Frau die Tränen kamen über all die Ungerechtigkeiten.

Dank

All diese nun nach und nach sichtbar werdenden Leistungen der IG Frau und Museum wären ohne die Mitarbeit der Vorstandsfrauen Sabine August, Barbla Jäger, Heidi Witzig, der Kassierin Regula Wild, der Webmasterin Liliane Späth und den Revisorinnen Christina Schlatter und Marlis Werz nicht möglich. Der immer wieder zuverlässige Chauffeur-Dienst meines Mannes Fritz bewahrt mich und andere Vorstandsfrauen vor Reisestress. Ihnen allen herzlichen Dank für den Einsatz. Ich danke auch für die Zeit, die sie sich nahmen, die übermittelten Frauenbilder von gestern, heute genau anzuschauen und dahin zu wirken, dass sie sich auf eine Zukunft hin entwickeln. Dies damit in Sachen Geschlechter“Ordnung“ ein aktiver Durchblick möglich wird.


Schlusswort
Als Fachtherapeutin für kognitives Training bzw. Training des Bewusstseins ist es mir in diesem Jahr klar geworden, wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, in denen frau ihrem  eigenen Lern-Rhythmus nachgehen kann, um damit zeitweise der Informationsflut zu entgehen. Zeiträume, in denen man sich seine eigenen Gedanken machen kann zu dem, was sich tut in der Familie, im Umfeld, am Arbeitsplatz, in der Politik, in der Weltpolitik. Vergleiche zu ermöglichen und damit das Bewusstwerden zu fördern. Schnelligkeit und Stress zerstören das Sich-erinnern-können und somit auch das Gedächtnis. Museen sind Orte, die Erinnerung ermöglichen sollten, dies um daraus zu lernen – für die Zukunft.
Wer die Geschichte nicht kennt und durchschaut…, macht immer wieder die gleichen Fehler, würde ich nach der Arbeit des letzten Jahres als Erfahrung heute sagen.


Martha Beéry-Artho
Eggersriet, im Februar 2018