Jahresbericht 2016

Am Anfang des Jahres standen der Besuch mehrerer Ausstellungen und Anlässe im Zusammenhang mit der Vernetzung der IG Frau und Museum auf meinem Programm.  

Dazu gehörten:
Die Ausstellung „Willkommen zu Hause“  der Koordination Gewaltprävention

der Vortrag „die Mutterfalle“  des Matriarchiv‘s

der Besuch des Vortrags „Amazonen der Kunst“ im Forum Würth am Tag der Frau

der Besuch der Ausstellung „Ich am Gipfel“ im Frauenmuseum Hittisau

der Besuch der Frauenvernetzung in Bregenz mit dem Stand des Frauenmuseums Hittisau und dem des Mädchentreffs Bregenz Amazone.

der Besuch der Ausstellung „Frauentrümmer – Trümmerfrauen“ von Biggi Slongo in Glarus

Die Kuratorinnen Führung der  „Whatch this“, einer Uhrenausstellung im historischen Museum in Basel, bei der uns die Kuratorin Einblick in ihr ungewöhnliches Vorgehen gab. Sie bezog, dies ist unüblich, alle Mitarbeitenden bei der Planung und Durchführung der Ausstellung mit ein. Doch auch hier waren Frauen als Zielpublikum kein Thema.

Die Teilnahme an der Führung „Domenica Bandini“ einer Kaufmannsfrau, die im Geschäft des Mannes mitarbeitete. Dies in der Ausstellung zur Geschichte der Schweiz im Forum Schwyz. Dass sie dann als mitarbeitende Kaufmannsfrau in der Sonderausstellung „Renaissance“ im Landesmuseum, neben ihrem sehr wohl erwähnten Mann, keine Erwähnung fand, empfand ich als musealen Kunstfehler. Dies entdeckte ich anlässlich der Besichtigung der Ausstellung „Renaissance“ im Landesmuseum in Zürich. Diese Ausstellung liess auch sonst etliche Wünsche in Bezug auf die Darstellung von Frauen offen. 
Ob die Ausstellung in Frankreich im Musée des Beaux Arts in Quimper auch in diesen Bericht gehört? Ich denke schon. Die Ausstellung „Autoportraits“ chef d’oeuvre de la Collection du Musée d‘Orsay (Paris) zeigte zig Portraits u.a. Vincent Van Gogh, Paul Gauguin, Gustave Courbet, Emile Bernard und viele weitere mehr. Darunter war, immerhin, ein einziges Selbstportrait einer Frau, nämlich das von Clementine-Helene Dufau zu sehen. Und nun? fragt man sich, war ein Unterschied auszumachen, ausser, dass es sich um das Portrait einer Frau handelte? Doch es war! Sie war die einzige die ein Ganzkörperbild schuf….. ich denke, dass das sehr interessant und durchaus gendergeschichtlich interpretierbar ist.     
Ob auch der Anlass zur Ehrung von Alexa Lindner zu dieser „Arbeit“ gehört, sei dahin gestellt, es hat jedenfalls sehr ermutigt, einmal einer Frau, die so viel für die Frauenbewegung getan hat, zu zeigen, wie sehr ihre Arbeit geschätzt wurde und wird.

Mit dem Vorstand haben wir 12 Vorstandssitzungen (und 3 Themenbezogene) durchgeführt
Dies inklusive die Vorbereitungssitzungen für die Ausstellung: „Frauen in der Stickerei im Rheintal“ im Museum Prestegg, Altstätten, deren Vernissage für den 29. April 2017 vorgesehen ist. Auch enthalten sind darin der Besuch des Historischen und Völkermuseums St. Gallen,  zusammen mit der Kuratorin und der Museumspädagogin und die Sitzungen für die Vorbereitung einer Führung über das Leben von Frauen in St. Gallen zu Beginn der Neuzeit.

Dazu kamen von mir her weitere Sitzungen an denen ich im Zusammenhang mit der Entwicklung des IG Gedankens teilgenommen habe.

Beteiligung an „Karwoche ist Carewoche“ und Gründung des Vereins WiC. Grundlage dazu war das Exposee „Wirtschaft ist Care“ von Ina Praetorius und den Befürworterinnen des bedingungslosen Grundeinkommens. Sie plädieren jedoch nun darauf, dass dieses Konzept nur mit Care-Ökonomie verwirklichbar sei. Dies war eine der Folgen meiner Intervention mit der Beschwerde gegen die Arena 2012: „Bedingungsloses Grundeinkommen - Vision oder Spinnerei“  in der die Erwerbssituation der Frauen in der Schweiz nicht sachgerecht dargestellt worden ist. Dies mit  verheerenden Folgen für die Berechnung der Grundlagen für das bedingungslose Grundeinkommen für Frauen, die Aufgaben in der Care-Ökonomie wahrnehmen. Dies ist u.a.  Familienarbeit, Nachbarschaftshilfe, Altenbetreuung und viele weiteres mehr. Hier konnte einmal sehr deutlich aufgezeigt werden, welche Denkfehler passieren, wenn die Situation der Frauen „übersehen“  wenn nicht gar „übergangen“ wird. 

Einige Sitzungen mit den InnenPerspektiven kamen dazu. Das vorgesehene Projekt zur Gleichstellung habe ich aufgegeben, weil sich die Zusammenarbeit immer schwieriger gestaltete.  

Im Juni war die Teilnahme an der Tagung „Ans Licht mit dem Schattenbericht“, der Postbeijing Koordination auf dem Programm. Bei meinen Eingaben, notabene als NGO
IG Frau und Museum an den Schattenbericht, handelte es sich um Klagen gegen das immer wieder von SRF ausgestrahlte „Stereotype Frauenbild“, das unter den anzugehenden Themen im Rahmen der Übereinkunft gegen jegliche Diskriminierung von Frauen anzugehen sei. Diese Eingaben wurden aufgenommen, an der UNO-Sitzung des CEDAW besprochen und entsprechende Empfehlungen an den Bundesrat formuliert. Dies damit dieses Anliegen umgesetzt werden kann Denn die Geschlechterstereotypen in unserem Land sind  immer noch weit verbreitet und wirken sich auf das Leben der Frauen (und Männer) tagtäglich aus.  
Es war dann nur eine Frage der Konsequenz, dass ich gegen die am Abend zuvor ausgestrahlte Fernsehsendung Arena: „Frauen am Herd?“ Beschwerde wegen nicht Sachgerechtigkeit, Diskiriminierung im Titel, sowie nicht Einhaltung  der Übereinkunft gegen jegliche Diskriminierung von Frauen (im Inhalt) eingereicht habe. Dies allerdings mit einem nicht übersehbaren Schmunzeln, denn einen besseren Beweis für diese Art Fernsehen SRF hätte ich nicht anführen können.

Doch nicht nur der Schattenbericht kam ans Licht der Öffentlichkeit, auch unsere Mitglieder wurden durch den Zwischenbericht informiert. Als besonderes Highlight wurde unsere von Liliane Späth gestaltete Webseite www.ig-frauenmuseum.ch im Juni ins Netz gestellt.

Dann sind die Treffen und Sitzungen mit den Mitgründerinnen des Vereins Frauen- und Geschlechtermuseum Schweiz, Ursula Wunderlin und Lilian Capenter zu erwähnen. Sie entstanden aus einer denkwürdigen Begegnung an der HV der FemWiss. Die beiden standen vor mir und sagten: „Wir möchten das Frauenmuseum in der Schweiz real angehen, was meinst Du dazu?“ Was ich dazu meinte? „Super!“ Es folgten Treffs mit dem Zeigen und Ausleihen der Unterlagen zu allem was die IG bis jetzt getan hatte und klar auch ein Besuch im Frauenmuseum Hittisau als ein mögliches Modell.

In dem Moment als die Überlegungen zur Gründungsversammlung des Vereins Frauen- und Geschlechtermuseum begannen, las ich ein Mail in der Mailbox unserer Webseite, sie hat sich also bewährt! Lou Salome Heer und Bettina Stehli aus dem Frauenzentrum Zürich, die sich ebenfalls mit dem Gedanken eines Frauenmuseums auseinandersetzten, nahmen die IG wahr und suchten den Kontakt.  So wurden auch diese Frauen informiert und wir entschieden uns, auch sie an die Gründungsversammlung des Vereins „Frauen- und Geschlechtermuseum Schweiz“  vom 5. Dezember 2016 einzuladen.  Dies um das Projekt mit vereinten Kräften weiterzuentwickeln.


Zur Arbeit der IG gehören auch die Projekte, die von anderen Vorstandsmitgliedern entwickelt werden.


Hedi Witzig hat im Historischen und Völkerkunde Museum eine Frauenführung anregen können. Wir arbeiten zurzeit daran, entdecken, dass es nicht so einfach ist, an Informationen zu Frauen zu gelangen, die aus Frauensicht sind.  Aufmerksames Hinschauen und interpretieren ist oft notwendig. Denn oft sind sie die Beschriebenen und mit  stereotypen Beschreibungsweisen behaftet. Deshalb gilt es nicht nur sie zu finden, sondern auch den Schimmer bzw. „die Patina“ des männlichen Blicks vom „Objekt“ zu entfernen um den subjektiven Blick des Frauseins in der realen Welt hervorzuheben. Wir haben uns für eine Führung zur Situation von verschiedenen Frauen in St. Gallen in der Reformationszeit entschieden, dies anhand des Reliefs der Stadt in einem der Ausstellungsräume.


Anders, aber ebenso intensiv gestalten sich die Vorbereitungen der Ausstellung „Frauen in der Stickerei“ im Rheintal. Eine Möglichkeit, die uns Barbla Jäger eröffnet hat.

Hier zeigt sich bereits, wie einfacher es ist, wenn man auf bereits aus Frauensicht recherchiertes Material zurückgreifen kann. So u.a. auf Bücher von Elisabeth Gerter, Heidi Witzig und Jolanda Spirig und auf Recherchen von Barbla Jäger.  Wir sind nun daran diesen Ausstellungsteil  zu entwickeln. Zur Vernissage am 29. April werden sie selbstverständlich eingeladen

Eine Kontaktaufnahme Sitzung beim Forum Würth (ermöglicht durch Barbla Jäger) hat interessante Möglichkeiten ergeben, die wir jedoch noch nicht ausschöpfen konnten.


Sabine August hat mit ihrem Hintergrundwissen und ihren Informationen und dem wachen kritischen Blick immer wieder noch nicht überlegte Aspekte eingebracht und unsere Arbeit sorgfältig korrigiert. Auch sie ist dran mit Vernetzungen und Informationen zum Gelingen der Ausstellung im Rheintal viel beizutragen, dies besonders auch aus ihrem Spezialgebiet der Aus- und Abwanderung.

Das heisst, die nun sichtbar werdenden Leistungen der IG Frau und Museum wären ohne die
Mitarbeit der Vorstandsfrauen: Heidi Witzig, Barbla Jäger, Sabine August, der Kassierin Regula Wild, der Webmasterin Liliane Späth und den  Revisorinnen Christina Schlatter und Marlis Werz nicht möglich geworden. Ihnen herzlichen Dank für den Einsatz. Ich danke auch für die Zeit, die sie sich nahmen die übermittelten Frauenbilder von gestern,  heute genau anzuschauen und dahin zu wirken, dass sie sich auf eine Zukunft hin entwickeln, die in Sachen Geschlechter“Ordnung“ einen Durchblick ermöglicht.

In diesem Sinne ist auch „unser Büchergestell“ mit Büchern zum Thema Frauen und Museen in der Wyborada ein Grundpfeiler unserer Tätigkeit. Regula Lüscher, der Leiterin der Frauenbibliothek und Fonothek sei hier herzlich dafür gedankt. Dafür, dass wir nun auch einen „Fuss“ im Archiv haben, haben wir soeben gesorgt mit der Übergabe der Vereinsunterlagen der ersten fünf Jahre. Für diese Möglichkeit herzlichen Dank an die Leiterin Marina Widmer.


Schlusswort
Als Fachtherapeutin für kognitives Training, bzw. Training des Bewusstseins, ist es mir in diesem Jahr klar geworden, wie wichtig es ist Räume zu schaffen in dem man seinem eigenen Lern-Rhythmus nachgehen kann und somit der Informationsflut zeitweise entgehen. In denen man sich seine eigenen Gedanken machen kann zu dem was sich tut, in der Familie, im Umfeld, am Arbeitsplatz, in der Politik, in der Weltpolitik. Vergleiche zu ermöglichen und damit das Bewusstwerden zu fördern. Schnelligkeit und Stress zerstört das sich Erinnern Können und somit auch das Gedächtnis.  Museen sind Orte die Erinnerung ermöglichen sollten, dies um daraus zu lernen – für die Zukunft“.
Wer die Geschichte nicht kennt und durchschaut…. macht immer wieder die gleichen Fehler, würde ich nach der Arbeit des letzten Jahres als Erfahrung heute sagen.


Martha Beéry-Artho
Eggersriet, im Februar 2017 Aktualisiert 07.12.2018